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Sie verbindet die Kunst und Liebe an der Natur: Franz Musiol stützt sich an einer seiner Holzskulpturen ab, während im Hintergrund die Landschaftsaufnahmen des sitzenden Andreas Held zu erahnen sind. Foto: Trilsbach

21.11.2018

Der Baum ist ihr gemeinsamer Freund

Die Skulpturen von Franz Musiol und Fotografien von Andreas Held zeigen einzigartige Naturschönheiten – Ausstellung bis Ende Januar

RNZ 21.11.2018 – von Jutta Trilsbach

Lobbach. Die sehenswerte Ausstellung „Reifen wie der Baum“ in der Manfred-Sauer-Stiftung berührt. Betrachten, Verweilen, Innehalten und die Botschaften der Exponate spüren: So viel Muße muss sein. Denn die beiden Eberbacher Künstler Franz Musiol und Andreas Held zeigen einzigartige Naturschönheiten. Sie sind leidenschaftliche „Handwerker“ – Holzbildhauer Musiol gestaltet formenreiche Skulpturen, Fotograf Held ästhetische Baumbilder. Beide Kunstschaffende stellen zum ersten Mal gemeinsam ihre Werke aus. Bei der Vernissage erfreuten die Söhne von Andreas Held, Fabian und Benedikt, rund 200 Gäste mit Jazz-Standards an Piano, Saxofon und Kontrabass. Stiftungsgründer Manfred Sauer zeigte sich begeistert von der großen Besucherzahl und erinnerte an die Ballade „Mein Freund, der Baum“ von Sängerin „Alexandra“: „Dieses Lied passt zu beiden Künstlern, denn Andreas Held stellt den Baum in seinen Fotografien als lebenden Freund dar; aber wenn der Baum tot ist, will Franz Musiol nicht,dass er beerdig twird, sondern guckt, was uns der Baum noch zu sagen hat.“

> Franz Musiol präsentiert 25, bis zu drei Meter hohe Kunstwerke. Sie erzählen Geschichten und erwecken heimische Baumstämme aus Obst-, Treib- oder Sturmholz mit Wuchsstörungen und Aushöhlungen oder Wurzelstöcke wieder zu neuem Leben. Laudator Klemens Bernecker ging darauf ein: „Die Skulpturen sind so einzigartig wie die Baumpersönlichkeiten, die Ausgangspunkt und Ursprung dieser Skulpturen sind!“ Denn Musiol lasse dem gewachsenen Holz seine Eigenschöpfung und betone diese, er schnitze oder zerschneide nicht, sondern mache die Schönheit der gewachsenen Urform des Holzes greif- und somit erfahrbar, um die Kraft zu spüren, die von ihnen ausgeht, betonte Bernecker, Beauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege im Rhein-Neckar-Kreis. Franz Musiol erklärte beim Berühren seiner Skulptur aus Zwetschgenholz „Zeitlebens in Bewegung“: „Dieser Baum ist stark linksgedreht, Bäume können sich nämlich nach links oder rechts drehen.“ Für Franz Musiol ist dies die vorletzte große Ausstellung; in der Literatur will er weiterhin kreativ sein: „Ich habe gemerkt, dass es mich sehr viel Kraft kostet, die schweren Baumstämme zu bewerkstelligen und daher möchte ich mich zukünftig mehr dem Schreiben widmen,“ sagte der 69-Jährige, der sein Elternhaus am Jadebusen hat, das Schreinerhandwerk erlernte, Studien zum Holzingenieur und Sozialpädagogen mit dem Diplom abschloss und ab 1991 am Berufsbildungswerk in Mosbach als Lehrer für Holztechnik arbeitete.

> Andreas Held stellt 30 großformatige Fotografien aus, die eine Symbiose mit den Skulpturen eingehen. Entstanden sind die Aufnahmen beispielsweise in Odenwälder Landschaften im Wechsel der Jahreszeiten. Der 58-jährige Diplombiologe ist ein vielfach prämierter Tier- und Landschaftsfotograf, der mit seinen individuell gestalteten Fotos die Schönheit der Schöpfung auf ganz eigene Weise verbildlicht. In einer Zeit des drastischen Klimawandels, der unseren Wäldern immens zusetzt, scheint dies umso wichtiger. Klemens Bernecker bedeutete in der Laudatio: „Helds Fotografien sind nicht digital verfremdet, sondern Handwerkskunst, indem Held verschiedene Techniken einsetzt und
im Wechselspiel von Blende, Brennweite, Belichtungszeit, bewusster Überstrahlung, Schattenwurf, brillanter Schärfe oder Unschärfe sowie Mehrfachbelichtungen Meisterwerke entstehen lässt.“ Andreas Held kennt nicht nur die Techniken. Er ist ein begnadeter Fotograf und hat das Auge für Einmaliges, etwa beim Motiv „Frühlingsschnee“, oder „Im Reich der Waldgeister“, die einen magisch in ihren Bann ziehen. Im entscheidenden Moment drückt er auf den Auslöser, um den Reiz zarter Sonnenstrahleneinzufangen, die hinter einem Baumstamm hervorblitzen.

Info: geöffnet bis zum 27. Januar täglich von 8 bis 22 Uhr; geschlossen vom 23. Dezember bis 7. Januar.
 
Weitere Termine:
„Ins Gespräch kommen mitden Künstlern“, Sonntag, 9. Dezember, 14 Uhr.
Finissage mit Ronald J. Autenrieth („Musikalisches Arboretumam Klavier“) und Karin Lüneburger („Rezitation Baumgedichte“),
Sonntag, 27. Januar, 11 Uhr in der Manfred-Sauer-Stiftung, Neurott 20, in Lobbach.