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Volker Neußer vor seinem Bild „Das Abenteuer“ in Acryl und Spachteltechnik. Foto: Trilsbach

14.02.2019

Ein Künstler, der die Grenzen verschiebt

Volker Neußer zeigt „Details“ in der Manfred-Sauer-Stiftung

RNZ 14.02.2019 – von Jutta Trilsbach

Lobbach. Auf die Frage, warum Volker „Chap“ Neußer seine neue Ausstellung in der Manfred-Sauer-Stiftung „Details“ nennt, kam spontan die Antwort: „Weil ich ein Korinthenkacker bin, ich glaube, das darf man ruhig so nennen, auch die Handschrift des technischen Zeichners kommt in einigen meiner Werke schon durch!“ Die Detailgenauigkeit in Grafiken und Zeichnungen ist das eine. Die Wildheit und Offenbarung seiner Gefühlswelten in fantasievollen, farbig starken Malereien sind das andere.

Eigentlich ist es kein Wunder, dass sich der Weinheimer Künstler Volker Neußer auch „Chap“ nennt. Das Wort stammt aus dem Zigeunerjargon und bedeutet „Kerl oder Kumpel“. „Chap“ haftet an ihm, seitdem er seine Leidenschaft in der Zigeunermusik am Schlagzeug austoben konnte. Bei der Vernissage konnten die Besucher davon viel spüren und die leidenschaftliche Vielseitigkeit in Farben und Motiven des 1951 in Ladenburg geborenen Künstlers an 60 Exponaten entdecken.

Veronika Geng sprach bei ihrer Begrüßung von einer Art „Retroperspektive“ des Malers aus den letzten Jahren seines Schaffens. Christoph Kerschgens von der „Lobenfelder Klavierwerkstatt“ betonte in seiner Rede: „Alle seine Techniken sind durch Eigenlernen, Probieren und im Austausch mit anderen Künstlern zu einer Reife gelangt, deren Grenzen immer wieder verschoben werden, um Neues hinzuzufügen und andere Resultate zu erzielen.“ Neußer verwandele Gesehenes, Erlebtes, Geträumtes oder Fantasiertes in Bildern in unterschiedlichster Ausstrahlung. Vorbilder verorte er im Bereich des fantastischen Realismus, des Surrealismus und der Op-Art, beispielsweise bei Victor Vasarely. Auch die Ornamentik des Art Deco oder die oft zarte Farbigkeit bei William Turner gaben künstlerische Anregungen, betonte Kerschgens.

Einflüsse auf sein Schaffen hatten Aufenthalte in Paris, London und Amsterdam sowie die Galerie Bertha in Wien, wo Volker Neußer die Werke der großen Maler Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs kennenlernte. Vielseitig sind die Arbeitsmaterialien wie Tusche, Filz-und Gel-Stift, Bleistift, Pastellkreide und Acrylfarben. Doch zum Pinsel greift er nur noch ganz selten, erklärte der Künstler an dem farbexplosiven Acrylbild „Das Abenteuer“ in Spachteltechnik: „Ich arbeite gern mit Acrylfarben und einer Rakel, das ist für mich die große Freiheit, denn ich verändere Strukturen und Farben, übermale Motive mit Gelstiften in Gold, Silber und Bronze.“

Wiederum erkennt man beispielsweise in farbigen Collagen oder in feinen Schwarz-Weiß-Zeichnungen wie der Serie „Netzwerke!“ die ungeheure Präzision in der grafischen Darstellung: „Ich schaue auf meine Stimmung, entwerfe, verwerfe, probiere und konstruiere, ja, manche Bilder brauchen sehr lange bis sie wirklich fertig sind“, meinte Neußer. Das Jazz-Trio „Blue Train“ der Musikschule Neckargemünd traf mit Jazz-Standards an Gitarren und Bass jedenfalls ganz den Geschmack von „Chap“ und des Publikums, das sich nach dem offiziellen Teil in der Stiftungs-Werkstatt unter Anleitung malerisch ausprobieren durfte.

Info: Die Ausstellung „Details“ ist bis 7. April in der Manfred-Sauer-Stiftung, Im Neurott 20, in Lobbach zu sehen. Geöffnet ist von 8 bis 22 Uhr.