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Abb.: Zusammensetzung der vermeidbaren und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus Haushalten, eigene Darstellung http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_Lebensmittelabfaelle_Langfassung.pdf?__blob=publicationFile

22.02.2016

Zu gut für die Tonne – was tun, um Lebensmittel nicht wegwerfen zu müssen?

Alarmierend ist die Zahl weggeworfener Lebensmittel in Deutschland. Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg.

 
In den privaten Haushalten werden die meisten Lebensmittel entsorgt, nicht etwa in der Gastronomie oder Industrie. Das sind satte 82 Kilo oder in Geld ausgedrückt 235 € pro Kopf und Jahr  für die Tonne. Angesichts der Tatsache, dass es selbst in Deutschland Menschen gibt, die zu wenig Geld für Essen haben, eine schockierend hohe Zahl. Das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat eine Seite ins Leben gerufen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzt und neben Aufklärung und interessanten Wissenstests, durch die man sich klicken kann, ganz viele Informationen und Ideen und auch eine kostenlose App bietet. https://www.zugutfuerdietonne.de/start/

Grundlage für die Aktion des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist eine Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2012 zur Ermittlung der weggeworfenen Lebensmittelmengen und Vorschläge zur Verminderung der Wegwerfrate bei Lebensmitteln in Deutschland.
 

Warum werfen wir so viel weg?

Da müssen wir uns an unserer eigenen Nase packen. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich vieles leisten kann und wir haben immer und überall Lebensmittel verfügbar. Nicht nur regionale oder saisonale Produkte, sondern so ziemlich jedes Lebensmittel, was wir haben möchten. Das führt dazu, dass uns das Bewusstsein fehlt, wie viel Arbeit und Ressourcen in einem Produkt stecken oder wo es denn herkommt. Da verzehren wir das Rindersteak aus Argentinien, zum Nachtisch die Erdbeeren aus Marokko.

Ganz offensichtliche Wegwerffallen, sind demnach beim Einkauf, weil wir vielleicht auch schlichtweg zu viel einkaufen. Weggeworfen werden dann Lebensmittel, die nicht nur verdorben und ungenießbar sind, sondern aufgrund falscher Lagerung nicht mehr frisch und appetitlich aussehen. Das meiste davon (44%) sind Obst und Gemüse gefolgt von Back- und Teigwaren mit 20% (siehe Abb.). Bei Milchprodukten ist zu beachten, dass oftmals der Joghurt weggeschmissen wird, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Aber: das bedeutet nicht unbedingt „nicht mehr genießbar“. Siehe auch Punkt 4 weiter unten im Text.

 

Wie kann ich das Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden?

  1. Den Einkauf planen
    Das bedeutet, einen Einkaufszettel zu schreiben mit den Lebensmitteln, die tatsächlich verbraucht werden  oder zu berücksichtigen, wenn man bspw. in den Urlaub fährt und die nächsten zwei Wochen keine Vorräte benötigt.
     
  2. Packungsgröße beachten
    Es scheint zwar auf den ersten Blick günstiger zu sein, die große XXL-Packung zu kaufen, doch was ist, wenn es nicht gegessen und dann entsorgt werden muss? Gerade für Single-Haushalte und Senioren empfehlen sich die kleinen Packungen, die im Handel mittlerweile vermehrt angeboten werden.
     
  3. Lebensmittel richtig lagern
    Brot
    sollte in einer Brotbox aufbewahrt werden und hält sich ungeschnitten länger frisch.
    Kartoffeln
    und Zwiebeln an einem dunklen und kühlen Ort lagern.
    Käse
    am besten am Stück kaufen und in ein beschichtetes Papier wickeln.
    Äpfel
    und Tomaten nicht mit anderem Obst und Gemüse lagern, da es sonst schneller reift.
    Angebrochene
    Packungen mit Mehl, Zucker, Nüssen, Reis usw. in verschließbare Behälter umfüllen, zum Schutz vor Schädlingsbefall.
    Geöffnete
    Konserven umfüllen und im Kühlschrank lagern.
     
  4. Haltbarkeit beachten
    Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt nicht darüber Auskunft, ob das Produkt nicht mehr genießbar ist. Davon muss man sich selbst überzeugen. Hingegen das Verbrauchsdatum, das auf verderblichen Produkten wie rohem Fleisch, Fisch oder Geflügel angegeben ist, sollte ein Warnzeichen sein, dass das Produkt nicht mehr gegessen wird.
     
  5. Kontrolle der Lebensmittel auf Schädlinge und Schimmel
    Regelmäßig sollten die Lebensmittel im Kühl-, Gefrier- und Vorratsschrank auf Verfall, Schimmel und Ungezieferbefall kontrolliert werden. Stellt man Schimmel oder Schädlinge fest, sollten die Produkte unbedingt weggeworfen werden. Auch eine regelmäßige Reinigung des Kühlschranks spätestens alle vier Wochen mit einem frischen Lappen und einer Essigessenz ist für eine ausreichende Hygiene wichtig.
     
  6. Reste weiterverwerten
    Bleibt beim Kochen was über, kann man den Rest einfrieren oder am nächsten Tag zu einem anderen Gericht weiterverwerten. Anregungen zur kreativen Resteküche von uns im Anschluss und weiteren Sterne- und Hobbyköchen unter zugutfuerdietonne.de. Hier ein Beispiel: auch eine Pizza schmeckt am nächsten Tag noch genauso lecker, wenn man sie in einer unbeschichteten Pfanne mit Deckel aufwärmt.
     
  7. Reste einpacken lassen
    Ob im Restaurant oder bei der Geburtstagsfeier. Alle Lebensmittel, die über bleiben, werden entsorgt. Was ist also dabei, sich ein sog. Doggybag geben zu lassen, und das Essen der eigenen Portion mitzunehmen? Erklärung Doggybag, (wörtlich: „Hundetüte“) ist die englischsprachige Bezeichnung für verschiedene Formen von Behältern, die in der Gastronomie für das Einpacken und den Transport der Reste von bestellten und nicht vollständig verzehrten Mahlzeiten bestimmt sind.
     

Lebensmittel retten kann jeder

Gerettet werden können Lebensmittel entweder organisiert in Form eines Projekts oder als ehrenamtlicher Einsatz als Foodsaver oder privat bei der Restverwertung in der eigenen Küche. Hier ein paar Ideen und vorhandene Konzepte:

Das Konzept von Foodsharing: nach Anmeldung bei foodsharing, kannst du nach Ort bzw. Postleitzahl Essenskörbe anbieten mit Lebensmitteln, die du übrig hast. Entweder wird der Korb dann abgeholt oder man trifft sich zur Übergabe an einem vereinbarten Ort. Alternativ kann man die Lebensmittel anderen an bestimmten Orten zur Verfügung stellen. Nach Anmeldung ist erkennbar, an welchen Orten öffentliche Kühlschränke oder Regale zur Abgabe bereitstehen. Außerdem verteilt das Foodsharing-Team die Essensreste an Suppenküchen oder gemeinnützige Organisationen. Auf der Homepage sind noch viele Infos zur Weiterverwertung, richtigen Aufbewahrung von Lebensmitteln verfügbar. Ein Blick lohnt sich auf alle Fälle. https://foodsharing.de/

Die Foodloop-App verfolgt den Ansatz, dass der Nutzer erfährt, bei welchem Supermarkt welchen Lebensmitteln die zeitnahe Entsorgung im Müll droht und welche deshalb besonders günstig sind. Andersherum kann der Nutzer nach Produkten suchen, die gerade im Umkreis reduziert sind. Das Ziel ist, den Geldbeutel zu schonen und Müll zu reduzieren.  http://green.wiwo.de/digitales-rabattsystem-foodloop-app-hilft-gegen-lebensmittelverschwendung/

Interessant ist auch der Resterechner des Vereins Die Verbraucher Initiative e.V. unter www.resterechner.de. Hier kann man verschiedene Lebensmittelsymbole anklicken, angeben, welche Mengen man davon hat und sie in die Symbol-Tonne legen. Dann wird einem aufgezeigt, wieviel Geld weggeworfen wird und was man damit alternativ machen könnte. Ein Beispiel: Wenn ich ein Pfund Brot in die Tonne werfe, entspricht das knapp einen Euro. Alternativ könnte ich für die gleiche Summe über acht Liter Wasser kochen.

 

Hier noch ein paar Vorschläge zur Resteverwertung aus dem Beratungszentrum

Gemüse

  • kann zu Suppe oder Eintöpfen verarbeitet werden. Sollte noch was übrig bleiben, können die Reste auch gut eingefroren werden. Beinahe jedes Lebensmittel lässt sich in einem geschlossenen Behältnis oder geeigneter Plastiktüte eingefrieren und steht dann zur Verfügung, wenn man es braucht.
  • Gerade zur Vorratshaltung bieten sich Tiefkühlgemüse und -obst an. Individuell portionierbar und frisch lässt es sich aus der Gefriertruhe entnehmen.
  • aus Gemüseresten lassen sich auch leckere Aufstriche zubereiten.
  • einlegen, einmachen, einwecken, in Essig, in Öl, milchsauer einlegen… es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gemüse haltbar zu machen.
     

Obst

  • kann auch kurzerhand zu Kompott verarbeitet werden. Schmeckt anders und hält sich im Kühlschrank die nächsten Tage. Ideal als Nachtisch oder in Verbindung mit einer Mehlspeise.
  • kann zu einem Smoothie verarbeitet werden oder als Milchshake getrunken werden.
     

Brötchen

  • können in die Gefriertruhe, wenn noch welche übrig sind und lassen sich schnell wieder aufbacken.
  • können später zu Semmelbröseln oder Semmelklösen weiterverarbeitet werden.
  • eignen sich für Mehlspeisen, bspw. arme Ritter oder Scheiterhaufen.

Soßenreste

  • lassen sich prima einfrieren und ein weiteres Mal zu Nudeln, Reis, Kartoffeln usw. verzehren.

Säfte

  • den Rest in Eiswürfelbehälter verteilen und einfrieren. Schmeckt im Sommer erfrischend und gibt ein klein wenig Geschmack an das fade Wasser ab.   
                                               

 
Quellen:

Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Zu gut für die Tonne! Abrufdatum 19.11.2015

http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_Lebensmittelabfaelle_Langfassung.pdf?__blob=publicationFile
Abrufdatum 19.11.2015

https://de.wikipedia.org/wiki/Doggybag
Abrufdatum 19.11.2015